Stefan-Oliver Strate

Stefan-Oliver Strate

HR-Business Partner, Schüco International KG



Herr Strate, seit 2006 sind Sie im Personalbereich bei Schüco International tätig und wissen um die Bedeutung einer gut augestellten Arbeitgebermarke im Mittelstand. Was genau zeichnet das Employer Branding bei Schüco aus?
Viele mittelständische Unternehmen haben im Gegensatz zu großen Konzernen mit zwei gesonderten Herausforderungen im Bereich des Employer Brandings zu kämpfen.

Zum einen ist in vielen Fällen das mittelständische Unternehmen als potentieller Unternehmer oftmals nur regional bekannt. Sollte eine überregionale Bekanntheit der Arbeitgebermarke bestehen, so focussiert sich diese oftmals auf das Produktumfeld des Unternehmens und weniger auf das Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber.

Vor diesem Hintergrund sind gerade mittelständische Unternehmen besondert gefordert, sich erstmalig oder neu auf dem Bewerbermarkt als Arbeitgeber zu positionieren und hierbei über den bisherigen regionalen "Dunstkreis hinaus" als attraktiv erkannt zu werden.

Eine zweite Herausforderung bedingt sich oftmals durch die regionale Lage mittelständischer Unternehmens. Viele, von ihrer Wirtschaftskraft durchaus bedeutende, mittelständische Unternehmen, finden sich fernab der großen und vermeintlich attraktiven Ballungszentren.

Diese mittelständischen Unternehmen in der "Provinz" haben dann neben der Schwierigkeit der geringen "Bekanntheit" zusätzlich noch die Schwierigkeit eines vermeintlich unattraktiven Standortes zu bewältigen.

Dieses erfordert oftmals eine zusätzliche "Aufklärungsarbeit" zu den Lebensbedingungen vor Ort, um nicht nur den Bewerber sondern insbesondere auch seiner Familie zu verdeutlichen, dass ein Wechsel zu diesem Unternehmen nicht per se mit einer Verschlechterung der persönlichen Lebensumstände verbunden sein muss.

Was sind die Hauptgründe für Schüco, Social Media für Recruiting und Employer Branding einzusetzen?
Schüco hat in diesem Bereich sicherlich den Vorteil, dass wir durch ein sehr aktives Branding unserer Unternehmensmarke nicht nur in der Region, sondern darüber hinaus auch schon sehr bekannt sind.

Durch diverse Sponsormaßnahmen im Bereich des Sportes verbinden viele potentielle Bewerber Schüco mit der Region Ostwestfalen und der Stadt Bielefeld und wissen somit zumindest wo das Unternehmen Schüco regional zuzuordnen ist.

Neben diesen klassischen Branding Maßnahmen sowie einem umfangreichen Marketing Mix zur Popularitätssteigerung der Unternehmensmarke Schüco betreibt der Personalbereich von Schüco aber auch weitere Maßnahmen im Bereich des Hochschulmarketings, der Lokalkooperation mit Bildungsinstitutionen und Schulen sowie ein über ein E-Recruiting neu aufgestelltes Bewerbermanagement.

Darüber hinaus erschien es uns jedoch erforderlich, neue Bewerbergruppen außerhalb des bisherigen "Dunstkreises" durch eine geeignete Maßnahme wie den Powerbrands OWL anzusprechen.

Inwiefern trägt gerade das Web 2.0 dazu bei, ein mittelständisches Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber darzustellen?
Wie zuvor erwähnt wird es für ein weiteres Wachstum des Unternehmens wichtiger den je werden, neue Bewerbergruppen außerhalb des bisherigen "Dunstkreises" des Unternehmens auf das Unternehmens als attraktiver Arbeitgeber aufmerksam zu machen, dann aber auch anzusprechen- hierbei stellt das Web2.0 und seine verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten sicherlich ein wesentliches Instrument im zukünftigen Employer Branding und Recrutierunging dar.

Web 2.0 als weit reichendes Instrument zur Darstellung des Unternehmens und zur Positionierung als Employer of Choice - Web 2.0 aber auch zur direkten Kandidatenidentifikation und -ansprache.

Gerade als mittelständisches Unternehmen sollte man hierbei aber nicht die Arroganz haben, ein toller Internetauftritt sei schon alles und damit laufen einem alle Bewerber im Web 2.O quasi "von alleine nur so zu".

Ein guter und zu der Unternehmensvision stimmiger Internetauftritt ist sicherlich eine wesentliche Grundlage für eine Steigerung der Arbeitsgebermarke, aber gerade im Mittelstand sind hierbei oftmals noch flankierende Marketingmaßnahmen notwendig - Beispiele hierzu finden sie durch unser Dachmarke Power Brands OWL.

Und für das Recruiting im Web2.0 selbst, sollte im Personalbereich schon eine gewisse Spezialisierung vorhanden sein- fachlich, aber auch zeitmäßig.

Welche Social Media-Kanäle eignen sich Ihrer Meinung nach am besten, welche am wenigsten für das Employer Branding im Mittelstand?
Ich denke, ich sollte mir als erstes die Frage stellen, was will ich wirklich mit der Nutzung eines bestimmten Social Media-Kanals erreichen? Dann sollte ich mir aber auch die selbstkritische Frage stellen, was passt zu mir als HR-Bereich, wie modern bin ich wirklich im HR-Management? Und letztendlich auch die Frage, welche Art der Web-Kommunikation passt zu uns als Unternehmen?

Wir haben dieses für uns intern analysiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass soziale Netzwerke wie Facebook zur Zeit nicht passend sind, hier setzen wir auf andere Instrumente des Brandings.

Allerdings halten wir ein soziales Netzwerk wie XING für sehr interessant, wenn es darum geht, anspruchvolle Positionen besetzen zu wollen und hierbei bei XING nach potentiellen Bewerbern Ausschau zu halten. Auch haben wir die Überlegung XING zukünftig noch stärker als Plattform für Stellenprofile nutzen zu wollen.

Aber dennoch werden auch weiterhin auf eine Mischung aus der eigenen Unternehmenshomepage, einer zusätzlichen unternehmensbezogenen Internetplattform, wie die der Stellenbörse der Power Brands OWL-Initiative, ausgewählte kommerzielle Stellenbörsen, aber in einigen Fällen auch noch die gute alte Printanzeige setzen.

In Ihrem Vortrag sprechen Sie über "Power Brands Owl". Was verbirgt sich dahinter?

Power Brands ist eine Initiative von 3 Unternehmen aus Ostwestfalen (Pheonix Contact aus Blomberg, Itelligence und Schüco aus Bielefeld), die mit dieser Initiative versuchen wollen, die Region Ostwestfalen als attraktiven Wohn- und Arbeitsstandort einem größeren Bewerberpublikum bekannt zu machen.

Power Brands OWL spricht hierbei insbesondere die potentielle Fach- und Führungskräfte an, die alle drei Unternehmen für ihr weiteres Wachstum benötigen. Damit konkurrieren in dieser gemeinsamen Aktionen verschiedene Unternehmen oftmals um den gleichen Bewerber, da wir bewusst auf eine Quotierung oder Zuordnung im Vorfeld verzichtet haben.

Dieser interne bewusst gewollte Wettbewerb um den richtigen Bewerber ist aus meiner Sicht aber auch zwingend notwendig, da es von allen drei Unternehmen weiterhin eine eigene Positionierung als attraktiver Arbeitgeber erfordert. Die Maßnahme Power Brands OWL ist hierbei vielmehr als Dachmarke zu verstehen, um auf die drei dargestellten Unternehmen in der Region Ostwestfalen/Lippe gesondert aufmerksam zu machen.

 

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